Argentinien - Grupo J

Argentinien marschiert mit kühlem Kopf und heißem Herzen zur WM

🇦🇷🔥 Argentinien marschiert mit kühlem Kopf und heißem Herzen zur WM

Eine Qualifikation wie ein Uhrwerk, mit ein paar Kratzern im Lack und einer Gruppe, die nach Kontrolle verlangt

Einführung

Es gibt Nationalteams, die gewinnen, und es gibt Nationalteams, die gewinnen und dabei eine Spur hinterlassen. Argentinien hat diese Südamerika-Qualifikation nicht einfach „überstanden“ – es hat sie geprägt: mal als geduldiger Bildhauer, der am 1:0 feilt, mal als Sturmlauf, der die Anzeigetafel überrollt. Der Ton war selten schrill, oft nüchtern. Und genau darin lag die Wucht.

Die Reise begann im vertrauten Klang des Monumental, mit einem knappen 1:0 gegen Ecuador am 7. September 2023. Ein Spiel, das sich eher wie ein Passwort als wie eine Party anfühlte: lange geschlossen, dann der eine Moment – Messi in der 78. Minute – und die Tür ging auf. Kurz darauf, am 12. September 2023, folgte in La Paz ein 3:0 gegen Bolivien, ein Auswärtssieg mit dünner Luft und klarer Kante: Fernández, Tagliafico, González. Kein Drama, nur ein Statement.

Wer glaubt, so ein Lauf sei frei von Störungen, kennt Südamerika nicht. Am 16. November 2023 riss Uruguay in La Bombonera die perfekte Linie mit einem 2:0 aus argentinischer Sicht auseinander. Es war nicht nur eine Niederlage; es war ein Hinweis, dass selbst diese Mannschaft, so stabil sie wirkt, nicht immun gegen Spiele ist, die kippen, ohne dass man es rechtzeitig merkt. Und doch: Fünf Tage später, am 21. November 2023, gewann Argentinien im Maracanã 1:0 gegen Brasilien – ausgerechnet dort, ausgerechnet so. Otamendi in der 63. Minute, und plötzlich wurde aus der Delle eine Erzählung von Widerstandskraft.

Am Ende stehen Zahlen, die nicht nach Zufall klingen: Platz 1, 38 Punkte aus 18 Spielen, 31 Tore, nur 10 Gegentore, Tordifferenz +21. 12 Siege, 2 Remis, 4 Niederlagen – das ist kein makelloser Durchmarsch, sondern eine Qualifikation mit echten Prüfsteinen. Und genau deshalb wirkt sie so glaubwürdig: weil sie nicht geschniegelt war, sondern belastbar.

Es gab mehrere Momente, die als Scharniere in dieser Kampagne taugen. Der Auftakt gegen Ecuador (7. September 2023, 1:0) als Geduldstest. Der Maracanã-Abend gegen Brasilien (21. November 2023, 1:0) als psychologischer Meilenstein. Und das 6:0 gegen Bolivien am 15. Oktober 2024 als Erinnerung daran, dass Argentinien nicht nur verwalten, sondern auch zerstören kann, wenn der Rhythmus passt.

Der Weg durch die Qualifikation

In Südamerika ist der Weg zur Weltmeisterschaft traditionell kein Labyrinth aus Gruppen, sondern ein Marathon in einer einzigen Liga. Zehn Teams, jeder gegen jeden – hin und zurück –, insgesamt 18 Spiele pro Mannschaft. Die Regeln sind klar und gnadenlos: Die besten sechs Teams qualifizieren sich direkt für die WM, der Siebte geht in ein interkontinentales Play-off-Turnier. Dieses Format zwingt Teams nicht nur zu Spitzenleistungen, sondern zu Dauerstabilität: ein Ausrutscher bleibt sichtbar, eine Serie wird zur Währung.

Argentinien hat diese Logik verstanden und in Punkte übersetzt. 38 Zähler bedeuten nicht nur Platz 1, sondern auch einen deutlichen Abstand zur Verfolgergruppe: Ecuador folgt mit 29 Punkten, dahinter kommt ein dichter Block mit 28 Punkten (Kolumbien, Uruguay, Brasilien, Paraguay). Diese Ballung zeigt, wie scharf das Rennen hinter der Spitze war – und macht Argentiniens Vorsprung noch wertvoller: Wer oben steht, muss sich nicht nur selbst tragen, sondern die Druckwellen von hinten aushalten.

Die nackten Bilanzwerte erzählen eine doppelte Geschichte. Offensiv 31 Treffer – das ist Durchschlagskraft. Defensiv nur 10 Gegentore – das ist Kontrolle. Die vier Niederlagen wirken im ersten Moment wie ein Makel, werden aber im Kontext lesbar: Argentinien war nicht unverwundbar, aber es hat sich nie dauerhaft aus der Spur schießen lassen. Auf jeden Rückschlag folgte eine Phase der Korrektur.

Auffällig ist die Spannweite der Ergebnisse. Die Kampagne kennt das minimalistische 1:0, das wie ein professionell gesetzter Haken wirkt (gegen Ecuador, Paraguay, Brasilien, Peru, Uruguay auswärts, Chile auswärts). Und sie kennt den Ausnahmezustand des 6:0 gegen Bolivien. Zwischen diesen Polen liegt das Profil: Argentinien kann Spiele klein halten – und sie kann sie öffnen, wenn die Räume da sind.

Ein weiterer Schlüssel: die zeitliche Streuung der Treffer. Es gibt frühe Nadelstiche wie das 1:0 gegen Paraguay durch Otamendi nach 3 Minuten am 12. Oktober 2023 oder das 1:0 gegen Brasilien im Monumental bereits in der 4. Minute durch Álvarez am 25. März 2025. Und es gibt späte Korrekturen wie das 1:1 gegen Kolumbien am 10. Juni 2025 durch Almada in der 81. Minute. Diese Fähigkeit, Spiele in unterschiedlichen Phasen zu entscheiden, ist mehr als Komfort: Sie ist ein Werkzeugkasten.

Die Heimauftritte sind der sichere Hafen, aber nicht ohne Wellen. Das Monumental sieht deutliche Siege (3:0 gegen Chile, 6:0 gegen Bolivien, 4:1 gegen Brasilien, 3:0 gegen Venezuela) und zugleich die Stolperstellen (0:2 gegen Uruguay, 1:1 gegen Kolumbien). Das heißt: Der Heimvorteil ist groß, aber er ist nicht automatisch. Auch zuhause muss Argentinien sein Spiel durchsetzen; nur der Name reicht nicht.

Auswärts wiederum ist das Bild ambivalent, aber insgesamt stark. Siege in La Paz (0:3), Lima (0:2), Montevideo (0:1), Santiago (0:1) – dazu der ikonische Triumph im Maracanã (0:1). Dem stehen Niederlagen in Barranquilla (2:1), Asunción (2:1) und Guayaquil (1:0) sowie ein Remis in Maturín (1:1) gegenüber. Das Muster: In schwierigen Umgebungen gewinnt Argentinien oft über Effizienz; wenn es fällt, dann häufig in Spielen, die eng bleiben und in denen ein Detail reicht.

Tabelle 1: Partidos de Argentina

Datum Spieltag Gegner Bedingung Ergebnis Torschützen Spielort
7. September 2023 1 Ecuador Heim 1:0 Messi 78' Stadion Monumental, Buenos Aires
12. September 2023 2 Bolivien Auswärts 0:3 Fernández 31', Tagliafico 42', González 83' Stadion Hernando Siles, La Paz
12. Oktober 2023 3 Paraguay Heim 1:0 Otamendi 3' Stadion Monumental, Buenos Aires
17. Oktober 2023 4 Peru Auswärts 0:2 Messi 32', 42' Stadion Nacional, Lima
16. November 2023 5 Uruguay Heim 0:2 La Bombonera, Buenos Aires
21. November 2023 6 Brasilien Auswärts 0:1 Otamendi 63' Stadion Maracaná, Río de Janeiro
5. September 2024 7 Chile Heim 3:0 Mac Allister 48', Álvarez 84', Dybala 90+1' Stadion Monumental, Buenos Aires
10. September 2024 8 Kolumbien Auswärts 2:1 González 48' Stadion Metropolitano, Barranquilla
10. Oktober 2024 9 Venezuela Auswärts 1:1 Otamendi 13' Stadion Monumental, Maturín
15. Oktober 2024 10 Bolivien Heim 6:0 Messi 19', 84', 86', La. Martínez 43', Álvarez 45+3', Almada 69' Stadion Monumental, Buenos Aires
14. November 2024 11 Paraguay Auswärts 2:1 La. Martínez 11' Stadion Defensores del Chaco, Asunción
19. November 2024 12 Peru Heim 1:0 La. Martínez 55' Stadion La Bombonera, Buenos Aires
21. März 2025 13 Uruguay Auswärts 0:1 Almada 68' Stadion Centenario, Montevideo
25. März 2025 14 Brasilien Heim 4:1 Álvarez 4', Fernández 12', Mac Allister 37', Simeone 71' Stadion Monumental, Buenos Aires
5. Juni 2025 15 Chile Auswärts 0:1 Álvarez 16' Stadion Nacional, Santiago
10. Juni 2025 16 Kolumbien Heim 1:1 Almada 81' Stadion Monumental, Buenos Aires
4. September 2025 17 Venezuela Heim 3:0 Messi 39', 80', La. Martínez 76' Stadion Monumental, Buenos Aires
9. September 2025 18 Ecuador Auswärts 1:0 Stadion Monumental, Guayaquil

Tabelle 2: Abschlusstabelle

Pos. Team Pts. Spiele S U N Tore Gegentore Diff.
1 Argentinien 38 18 12 2 4 31 10 21
2 Ecuador 29 18 8 8 2 14 5 9
3 Kolumbien 28 18 7 7 4 28 18 10
4 Uruguay 28 18 7 7 4 22 12 10
5 Brasilien 28 18 8 4 6 24 17 7
6 Paraguay 28 18 7 7 4 14 10 4
7 Bolivien 20 18 6 2 10 17 35 -18
8 Venezuela 18 18 4 6 8 18 28 -10
9 Peru 12 18 2 6 10 6 21 -15
10 Chile 11 18 2 5 11 9 27 -18

Auch in der Mikrostatistik der Ergebnisse steckt eine Handschrift. Argentinien kassiert über 18 Spiele nur 10 Gegentreffer: im Schnitt deutlich unter einem Gegentor pro Partie. Gleichzeitig fallen 31 eigene Tore – eine Offensivleistung, die nicht nur durch ein Spiel gespeist wird, auch wenn das 6:0 den Durchschnitt hübsch anhebt. Und dennoch: Die Kampagne basiert nicht auf ständiger Gala, sondern auf regelmäßiger Verlässlichkeit.

Wenn man die Spiele nach „knapp“ und „klar“ sortiert, entsteht ein typisches südamerikanisches Profil, aber mit argentinischer Präzision: Viele Siege sind Ein-Tor-Siege (1:0 mehrfach, 2:1 aus argentinischer Sicht auch). Das bedeutet: Argentinien gewinnt oft dort, wo das Spiel auf Messers Schneide steht. Gleichzeitig zeigt es, dass es bei passendem Spielverlauf das Tempo hochdrehen kann: 3:0 gegen Chile, 4:1 gegen Brasilien, 3:0 gegen Venezuela, 6:0 gegen Bolivien.

Und dann sind da die Niederlagen, die wie Warnschilder am Straßenrand stehen. 0:2 gegen Uruguay zuhause: ein Spiel, das zeigt, dass Argentinien gegen einen Gegner, der den eigenen Rhythmus stört, verwundbar sein kann. 1:2 in Barranquilla: eine Erinnerung daran, dass Auswärtsspiele in Südamerika nicht nur Taktik, sondern auch Widerstandsfähigkeit sind. 0:1 in Guayaquil: das klassische Spiel, in dem ein Elfmeter reicht und jede Minute danach zum Anlaufen gegen eine Wand wird.

Wie sie spielen

Argentiniens auffälligstes Merkmal ist nicht ein einzelnes Ergebnis, sondern die Form, wie Ergebnisse zustande kommen. 31:10 Tore und +21 Differenz sind eine klare Signatur: Dieses Team lebt aus einer Balance, die Spiele kontrolliert, statt sie permanent zu entfachen. Es gibt Phasen des Abwartens, in denen ein 1:0 nicht nach „zu wenig“ schmeckt, sondern nach Plan. Der Auftakt gegen Ecuador (1:0) und das 1:0 in Chile am 5. Juni 2025 sind dafür Musterbeispiele: nicht viel Lärm, aber am Ende die drei Punkte.

Die defensive Stabilität ist dabei nicht bloß „wenig Gegentore“, sondern eine Struktur der Spiele. In 18 Partien nur 10 Gegentreffer heißt: Viele Gegner kommen gar nicht in den Bereich, wo ein wilder Schlagabtausch entstehen könnte. Selbst in den engen Spielen bleibt die Gegentorzahl oft bei null – bis auf wenige Ausnahmen. Wenn Argentinien verliert, dann nicht selten in Partien, in denen es selbst nicht viel trifft: 0:2 gegen Uruguay, 0:1 gegen Ecuador, 1:2 gegen Paraguay. Das sind keine Spiele, die auseinanderfliegen; sie kippen in Details.

Offensiv wirkt Argentinien variabel in der Art, wie es Tore verteilt. Messi taucht als entscheidender Moment-Spieler auf: das späte 1:0 gegen Ecuador, zwei Treffer in Peru, ein Dreierpack im 6:0 gegen Bolivien, zwei weitere Tore im 3:0 gegen Venezuela. Gleichzeitig trägt das Team nicht nur einen Namen auf den Schultern: Álvarez trifft gegen Chile, Brasilien, Chile auswärts; Mac Allister ist in großen Heimspielen präsent; Lautaro Martínez taucht in wichtigen Phasen auf (gegen Bolivien, Paraguay, Peru, Venezuela). Almada wird zum Punktesammler in knappen Auswärtsspielen (1:0 in Uruguay) und als Spätretter (1:1 gegen Kolumbien).

Ein weiterer Hinweis auf die Spielanlage: Argentinien kann früh zuschlagen, um Kontrolle zu gewinnen. Das 1:0 gegen Paraguay nach 3 Minuten und der Blitzstart gegen Brasilien im Monumental (Álvarez 4', Fernández 12') zeigen eine Mannschaft, die nicht zwangsläufig „warm werden“ muss. Gleichzeitig kann sie Spiele über die Zeit drehen oder absichern: Almada in der 81. Minute gegen Kolumbien, Dybala in der Nachspielzeit gegen Chile. Es ist also kein Team, das nur in einem Drehzahlbereich funktioniert.

Die Verletzlichkeiten liegen ebenfalls in Zahlen und Mustern. Vier Niederlagen in 18 Spielen sind nicht dramatisch, aber sie sind auch nicht zufällig verteilt: Zwei davon gegen Paraguay und Ecuador auswärts, eine gegen Kolumbien auswärts, eine gegen Uruguay zuhause. Das deutet auf zwei unangenehme Szenarien hin: Erstens Spiele, in denen ein Gegner die Partie eng hält und Argentinien das erste Tor nicht findet. Zweitens Spiele, in denen Auswärtsbedingungen oder Spielrhythmus den eigenen Zugriff mindern. Der Warnhinweis ist simpel: Wenn Argentinien nicht in Führung geht, wird es nicht automatisch wild – und manchmal fehlt dann das zweite, dritte Werkzeug, um einen zähen Knoten zu lösen.

Unterm Strich wirkt Argentinien wie eine Mannschaft, die lieber den Puls kontrolliert als das Spektakel zu jagen. Sie kann hoch gewinnen, aber sie muss es nicht. Ihre Stärke ist, dass sie beides beherrscht: den kurzen Sieg und den großen. Ihre Schwäche ist, dass sie in den kurzen Spielen auch verwundbar bleibt – weil dort ein Elfmeter, eine Standardszene oder ein einziger Fehler die ganze Statik verschieben kann.

Die Gruppe bei der WM

Argentinien steht in der WM-Gruppenphase im Grupo J. Drei Spiele, drei Städte und Stadien, die bereits über reine Kulisse hinausgehen: Kansas City als Auftaktbühne, Dallas als Doppelstandort, der eine Art „Basecamp“ im Spielplan bildet. Der Rhythmus ist klar: 16. Juni 2026, 22. Juni 2026, 27. Juni 2026 – ein Turniermodus, der schnelle Anpassung verlangt, aber auch das Momentum belohnt.

Der erste Gegner: Algerien. Ein Auftakt, der selten „leicht“ ist, selbst wenn er auf dem Papier günstig oder schwierig wirken könnte – und genau diese Etiketten helfen ohnehin kaum. Aus argentinischer Perspektive wird es darum gehen, den ersten Abend nicht zu verschenken. Wer in einer WM-Gruppe gut startet, kauft sich Ruhe für den zweiten Schritt. Und Argentinien hat in der Quali gezeigt, dass es Auftakte und Schlüsselspiele mit minimalem Aufwand gewinnen kann: 1:0 gegen Ecuador zum Start, 1:0 gegen Brasilien im Maracanã. Der Auftakt in Kansas City schreit nach derselben Logik: seriös, ohne Risiko-Übermut.

Das zweite Spiel gegen Österreich in Dallas wirkt wie der Taktgeber der Gruppe. Zwei Spieltage sind in Turnieren oft die Zone, in der sich Tabellen und Nerven sortieren: Wer nach zwei Spielen vier oder sechs Punkte hat, steht fast schon mit einem Bein weiter. Wer nach zwei Spielen nur einen Punkt hat, fängt an zu rechnen. Für Argentinien wird dieses Spiel vor allem eines sein: ein Test, wie gut sich die Kontrolle gegen einen Gegner halten lässt, der womöglich anders verteidigt als südamerikanische Teams. Die Zahlen aus der Quali geben Argentinien ein Sicherheitsnetz: 31 geschossene Tore bei nur 10 Gegentoren sind ein Fundament, auf dem man auch in einem taktisch anderen Umfeld aufbauen kann.

Das dritte Spiel gegen Jordanien, erneut in Dallas, ist in Gruppen oft die Partie, die zwei Gesichter hat: Entweder der kontrollierte Abschluss, wenn man davor gepunktet hat, oder das nervöse „Wir brauchen das jetzt“. Argentinien hat in der Qualifikation beides geübt: den ruhigen Schritt (1:0 gegen Peru, 1:0 gegen Chile) und die Fähigkeit, ein Spiel zu öffnen, wenn es nötig ist (4:1 gegen Brasilien, 3:0 gegen Venezuela). Die Frage ist weniger, ob Argentinien kann – sondern wann es will und muss.

Wichtig: Diese Gruppe enthält keine „Rivalen por definirse“ in Form von Codes wie K2 oder I3; alle Gegner sind konkret benannt. Das erleichtert die Planung, aber es nimmt nicht den Druck. Denn in WM-Gruppen ist nicht die Unbekannte gefährlich, sondern die Selbstzufriedenheit. Argentiniens Quali liefert dazu eine klare Mahnung: 0:2 zuhause gegen Uruguay. Das war kein „Auswärts-Unfall“, sondern ein Beweis, dass auch vertrauter Boden keine Garantie ist.

Hier kommt auch die Spielanlage ins Spiel. Wenn Argentinien in der Gruppenphase in Führung geht, kann es Spiele in einen Modus ziehen, in dem der Gegner lange laufen muss und Argentinien die Uhr verwaltet. Viele 1:0-Siege sind genau das: nicht „zu knapp“, sondern „gut platziert“. Wenn es aber nicht in Führung geht, wird der Raum enger – und dann braucht es den Moment, den Standard, den späten Treffer wie Almadas 81. Minute gegen Kolumbien. Turniere sind oft eine Sammlung solcher Momente.

Datum Stadion Stadt Gegner
16. Juni 2026 Arrowhead Stadium Kansas City Algerien
22. Juni 2026 AT&T Stadium Dallas Österreich
27. Juni 2026 AT&T Stadium Dallas Jordanien

Partie für Partie, mit vorsichtigem Blick auf das, was sich aus Argentiniens Zahlen ableiten lässt:

  • Argentinien gegen Algerien: Hier spricht vieles für ein Spiel, das Argentinien über Struktur gewinnt. Prognose: gana Argentina. Das ist weniger ein Urteil über den Gegner als über Argentiniens Quali-Profil: wenige Gegentore, viele knappe Siege, hohe Effizienz in Schlüsselspielen.

  • Argentinien gegen Österreich: Das riecht nach einer Partie, in der Geduld wichtig wird. Argentinien hat mehrfach bewiesen, dass es 90 Minuten lang auf den einen Moment warten kann (Ecuador, Paraguay, Peru). Prognose: gana Argentina – knapp, aber kontrolliert.

  • Jordanien gegen Argentinien: Das dritte Spiel ist ein Kontext-Spiel. Sollte Argentinien zuvor geliefert haben, wird es ein Spiel, in dem Kontrolle wichtiger ist als Risiko. Prognose: gana Argentina. Argentinien hat in der Quali auch späte Tore und klare Siege gezeigt; beides hilft in einem letzten Gruppenspiel.

Schlüssel zur Gruppen-Qualifikation aus argentinischer Sicht:

  • Den Auftakt nicht verschenken: ein 1:0 ist Gold wert, wenn die Defensive so stabil ist.
  • Standards und Spielphasen nutzen: frühe Treffer wie gegen Paraguay, späte wie gegen Kolumbien – beides ist Turnierwährung.
  • Nicht auf „schöne Spiele“ warten: die Quali hat gezeigt, dass Ergebnis vor Glanz funktioniert.
  • Die zweite Partie als Hebel begreifen: wer nach zwei Spielen vorne ist, kann das dritte steuern.

Leitartikel

Argentinien hat diese Qualifikation nicht mit Feuerwerk gewonnen, sondern mit einem Werkzeugkasten: 1:0, wenn es sein muss; 6:0, wenn es sich anbietet; und fast immer eine defensive Basis, die Gegner zwingt, perfekt zu sein. 31:10 Tore sind keine Zufallszahl, sie sind ein Stil. Und doch: Vier Niederlagen sind auch eine Erinnerung, dass Stabilität nicht Unbesiegbarkeit bedeutet, sondern die Fähigkeit, nach Fehlern wieder in die eigene Ordnung zu finden.

Der WM-Plan im Grupo J wirkt sauber, fast komfortabel: Kansas City, dann zweimal Dallas. Aber Komfort ist im Turnierfußball ein gefährliches Wort, weil er leicht in Gewohnheit umkippt. Argentinien muss seine Quali-Tugenden exportieren: Geduld, Effizienz, defensive Strenge. Es muss nicht neu erfinden, nur konsequent sein.

Der Schluss bleibt bewusst ohne Pathos: Die Albiceleste hat die Zahlen, die Erfahrung und die Variabilität, um eine Gruppe zu steuern. Die Warnung steht trotzdem schwarz auf weiß in der eigenen Bilanz: 16. November 2023, Argentinien–Uruguay 0:2. Ein Heimspiel, ein klarer Schnitt. Wer so etwas erlebt hat, weiß: Turniere verzeihen keine Phase der Unschärfe. Und genau deshalb ist diese argentinische Qualifikation eine gute Nachricht – nicht weil sie perfekt war, sondern weil sie gelernt hat, auch unperfekt zu gewinnen.